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Unternehmensinsolvenzen in Europa im Jahr 2023. Anstieg der Insolvenzen setzt sich fort

In Westeuropa wurden im Jahr 2023 169.496 Unternehmensinsolvenzen registriert. Dieser Wert liegt um 20,9 Prozent über dem Vorjahresstand (140.168 Fälle). Die Insolvenzzahlen übertrafen damit erstmals wieder das Vor-Corona-Niveau. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Creditreform Wirtschaftsforschung.

„Das Insolvenzgeschehen im vergangenen Jahr stand im Zeichen der Rezession. Inflation, Zinsen, Energiekosten und auch die Nachwehen von Corona haben viele Unternehmen massiv belastet. Jetzt sehen wir die Auswirkungen auch deutlich in den Zahlen“, fasst Patrik-Ludwig Hantzsch, Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung in Neuss, die Entwicklung des Jahres 2023 zusammen.

„2023 wurden in Westeuropa so viele Insolvenzen gezählt wie zuletzt 2016. Die verschärften Finanzierungsbedingungen strapazieren die Reserven der Unternehmen deutlich. Die Zentralbank (EZB) dämpfte mit Zinserhöhungen die Inflation, aber auch Konsum und Investitionen. So konnten die Unternehmen kaum Erträge erwirtschaften“, sagt Gerhard Weinhofer, Geschäftsführer von Creditreform Österreich.

In den meisten der untersuchten 17 Staaten Westeuropas stiegen die Insolvenzzahlen. Rückgänge gab es nur in Dänemark, Luxemburg, Spanien und Portugal. Besonders stark war der Anstieg in den Niederlanden (plus 54,9 Prozent) und in Frankreich (plus 35,6 Prozent). In Schweden, Irland, Finnland, Norwegen und Deutschland stiegen die Insolvenzfälle um mehr als 20 Prozent.

„2024 wird eine Fortsetzung der schlechten Wirtschaftslage des vergangenen Jahres, die zu einer weiteren Zunahme der Insolvenzen führen wird. Zudem liefert die Finanzkrise 2009 einen Ausblick für die Insolvenzentwicklung der kommenden Jahre. Trotz wirtschaftlicher Erholung blieben die Zahlen damals für lange Zeit auf einem hohen Niveau“, erläutert Hantzsch.

Handel und Baugewerbe dominieren

In allen Hauptwirtschaftsbereichen stiegen die Insolvenzzahlen zweistellig. Besonders stark war der Anstieg im Handel (plus 24,8 Prozent) und im Bausektor (plus 21,7 Prozent), moderater war er im Dienstleistungsgewerbe (plus 16,2 Prozent). Im Verarbeitenden Gewerbe beschleunigte sich das Insolvenzgeschehen. Der Zuwachs (plus 19,8 Prozent) war höher als im Vorjahr. Gleichwohl liegen die Zahlen im Verarbeitenden Gewerbe noch knapp unter dem Wert des Jahres 2019.

„Mit mehr als 68.000 Insolvenzen allein im Dienstleistungsgewerbe und gut 52.000 Fällen im Handel wird das Insolvenzgeschehen in Europa vorrangig von diesen beiden Wirtschaftssektoren geprägt. Als Belastung für die Unternehmen erwiesen sich die Konsumzurückhaltung infolge der Inflation und das hohe Zinsniveau“, erklärt Insolvenzexperte Weinhofer. Geopolitische Spannungen hätten zudem die Unsicherheit verstärkt und die Konjunktur gebremst.

65.000 Unternehmensinsolvenzen in Osteuropa

Auch in Osteuropa stiegen die Insolvenzzahlen, wobei weitgehend Ungarn für den Anstieg von rund 8 Prozent verantwortlich war. Insgesamt wurden 2023 in Osteuropa fast 65.000 Unternehmensinsolvenzen registriert – im Vorjahr waren es gut 60.000 Fälle. In sechs von zwölf untersuchten Ländern gingen die Fallzahlen zurück. Die größten Rückgänge gab es in Kroatien (minus 22,3 Prozent) und in Lettland (minus 21,2 Prozent). Einen Anstieg verzeichneten neben Ungarn auch Estland, die Slowakei, Serbien und Tschechien.

Schwache Ertragslage belastet die Wirtschaft

„Nach einer leichten Erholung der Gewinne im Vorjahr, scheint die positive Entwicklung schon wieder vorüber“, erläutert Hantzsch. Eine zunehmende Zahl von Unternehmen hat im Jahr 2022 Verluste erwirtschaftet oder lediglich sehr niedrige Gewinnmargen erzielt. So wiesen 21,5 Prozent der Unternehmen ein negatives EBIT auf (2021: 21,3 Prozent) und weiteren 25,9 Prozent der Unternehmen (2021: 24,9 Prozent) blieb unter dem Strich lediglich eine Gewinnmarge von weniger als 5 Prozent. Nur für 18,8 Prozent der Unternehmen wurde 2022 eine sehr hohe Gewinnmarge von über 25 Prozent konstatiert.

Gestiegen sind 2022 hingegen die Eigenkapitalquoten der Unternehmen. 48,3 Prozent – und damit fast jedes zweite Unternehmen – wies eine Eigenkapitalquote von über 50 Prozent auf (Vorjahr: 47,2 Prozent). Eine schwache Eigenkapitalquote von weniger als 10 Prozent verzeichneten noch 21,4 Prozent der Firmen (Vorjahr: 22,0 Prozent).

„Derzeit leiden deutlich weniger Unternehmen als vor 10 Jahren unter Eigenkapitalschwäche. Allerdings machen die derzeit teuren Kredite Fremdkapital unattraktiv. So sinkt der Fremdfinanzierungsanteil in den Bilanzen und die Eigenkapitalquote steigt. Doch die anhaltend schlechte Ertragslage ist Gift für die Unternehmensstabilität. Die Insolvenzzahlen dürften dadurch weiter in die Höhe getrieben werden“, so Hantzsch weiter. – Weitere Informationen finden Sie unter www.creditreform.at.

 

 
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