UNTERNEHMENSINSOLVENZEN: Leichter Rückgang der Fallzahlen ist erfreulich, für Entwarnung besteht jedoch kein Anlass. Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich ist im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres leicht um 1,6% auf 3.443 Fälle zurückgegangen. Damit setzt sich zwar die Dynamik der starken Insolvenzwelle der vergangenen Jahre nicht weiter fort, das Niveau bleibt jedoch historisch hoch. Durchschnittlich mussten damit auch im ersten Halbjahr rund 29 Unternehmen pro Werktag Insolvenz anmelden.
„Der leichte Rückgang ist zweifellos ein positives Signal. Von einer nachhaltigen Entspannung kann jedoch keine Rede sein. Die österreichische Wirtschaft befindet sich weiterhin in einer Phase der Konsolidierung. Viele Unternehmen kämpfen nach wie vor mit schwacher Nachfrage, hohen Personal- und Energiekosten sowie einer insgesamt angespannten Ertragslage“, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.
Die aktuelle Entwicklung zeige, dass sich die Unternehmen zunehmend an das schwierige wirtschaftliche Umfeld angepasst hätten. Gleichzeitig würden aber nach wie vor jene Betriebe ausscheiden, deren Eigenkapitalbasis durch die Krisen der vergangenen Jahre nachhaltig geschwächt worden sei.
„Die Zahl der Insolvenzen sinkt zwar leicht, bewegt sich aber weiterhin auf einem Niveau, das deutlich über dem langjährigen Durchschnitt der Vor-Pandemiejahre liegt. Von einer Insolvenzwelle kann man heute nicht mehr sprechen – wohl aber von einem dauerhaft erhöhten Insolvenzgeschehen,“ so Weinhofer.
PRIVATINSOLVENZEN: Während sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Österreich zuletzt leicht rückläufig entwickelte, setzte im Juni bei den Privatinsolvenzen ein Aufwärtstrend ein. Sowohl im Gesamtjahr 2025 als auch bis einschließlich Mai 2026 waren die Privatinsolvenzen bislang rückläufig. Im Juni 2026 stieg die Zahl er eröffneten Schuldenregulierungsverfahren erstmals an und zwar um 47,7%, im Juli sogar um 68,7%. Grund dafür war das Auslaufen des s.g. Tilgungsplanverfahrens (für Nicht-Unternehmer), das Schuldnern eine Restschuldbefreiung schon nach drei Jahren ermöglichte, eine Maßnahme, die unter dem Eindruck der Covid-19-Pandemie seinerzeit eingeführt und auf fünf Jahre befristet wurde.
Im ersten Halbjahr 2026 wurden nun 5.092 Privatinsolvenzen registriert. Das entspricht einem Anstieg von 5,2% gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Durchschnittlich mussten damit pro Werktag rund 42 Privatpersonen ein Schuldenregulierungsverfahren beantragen.
„Der plötzliche Anstieg der Privatinsolvenzen ist nicht zwingend Ausdruck der finanziellen Belastung vieler Haushalte, sondern lässt sich mit dem Auslaufen der besonders einfachen und schnellen Entschuldungsmöglichkeit für Privatpersonen erklären. Es war die richtige Entscheidung der Bundesregierung, den dreijährigen Tilgungsplan für Nicht-Unternehmer auslaufen zu lassen, da dieser einseitig zu Lasten der ohnehin unter Druck stehenden (Gläubiger-)Unternehmen ging und deren Rückzahlungsquote massiv verschlechterte“, erklärt Gerhard M. Weinhofer, Geschäftsführer des Gläubigerschutzverbandes Österreichischer Verband Creditreform.
Von den insgesamt 5.092 Verfahren entfielen 4.689 auf eröffnete Schuldenregulierungsverfahren. Gleichzeitig ging die Zahl der mangels Vermögens abgewiesenen Verfahren leicht auf 403 Fälle zurück. Damit gelangen mehr überschuldete Personen in ein geordnetes Insolvenzverfahren. Für Gläubiger bedeutet dies zwar einen geregelten rechtlichen Ablauf, wirtschaftlich bleiben Forderungsausfälle im hohen zweistelligen Prozentbereich jedoch vielfach unvermeidbar.
„Jede Privatinsolvenz bedeutet nicht nur die Chancen für einen Neustart des betroffenen Schuldners, sondern zugleich auch einen finanziellen Verlust für Gläubiger. Diese Verluste müssen letztlich von den Unternehmen und jenen redlich zahlenden, vertragstreuen Konsumenten getragen werden, die diesen Risikoaufschlag bezahlen.“