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Russland: "Über den Tag des Mitarbeiters des diplomatischen Dienstes"

17.02.2010



Interview mit dem Botschafter der Russischen Föderation, S.E. Stanislav Osadchiy.

 

Sehr geehrter Herr Botschafter. Bekanntlich haben die russischen Diplomaten ihren eigenen Berufsfeiertag. Könnten Sie uns über die Geschichte dieses Feiertags ein wenig erzählen?

Die Geschichte des russischen außenpolitischen Amtes beginnt am 10. Februar 1549. Genau dieses Datum steht unter der ersten schriftlichen Erwähnung von Possolskij Prikas – der ersten außenpolitischen Institution Russlands. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums des Russischen Außenministeriums wurde der 10. Februar per Erlass des Präsidenten der Russischen Föderation vom 31. Oktober 2002 als der Tag des Mitarbeiters des diplomatischen Dienstes festgelegt. Diese Entscheidung gilt als Annerkennung der Verdienste russischer Diplomaten bei der Durchsetzung und Verteidigung der Interessen der Russischen Föderation auf der internationalen Ebene.

Wie wird dieser Tag begangen?

Im Mittelpunkt der schon zur Tradition gewordenen feierlichen Veranstaltungen anlässlich des Diplomatentages befindet sich das große festliche Konzert. Zum Programm des auf den prominentesten Bühnen Moskaus jährlich stattfindenden Musikereignisses gehören Werke russischer und europäischer Komponisten. Am Diplomatentag werden feierliche Veranstaltungen sowohl in Russland als auch in russischen diplomatischen Vertretungen im Ausland organisiert. Mitarbeiter der Russischen Botschaft in Österreich gemeinsam mit ihren Kollegen aus den ständigen Vertretungen Russlands bei den internationalen Organisationen in Wien und bei der OSZE, sowie mit unseren Partnern aus den Botschaften der GUS-Staaten begeben sich am 10. Februar zu den Gedenktafeln der großen russischen Diplomaten wie A.Rasumofsky und A.Gortschakow. Nach der gemeinsamen Blumenniederlegung nehmen die Teilnehmer an dem von der russischen Botschaft organisierten Empfang teil.

Dürfen wir Ihnen bei dieser Gelegenheit noch weitere Fragen stellen? Die russisch-österreichischen Beziehungen sind ja derzeit friktionsfrei. Welche Ziele kann man sich noch in der Außenpolitik zwischen unseren Ländern vornehmen?

Die russisch-österreichischen Beziehungen haben tatsächlich im Verlauf vieler Jahre den Charakter einer strategischen Partnerschaft und zeichnen sich durch das Fehlen von ernsthaften Problemen aus. Unser Dialog entwickelt sich mit beständiger Dynamik. Sowohl Russland als auch Österreich zeigen ständig ihre Bereitschaft die prinzipiellen Interessen gegenseitig zu beachten, entstehende Fragen konstruktiv zu lösen und die vielseitige Zusammenarbeit zu stärken – sowohl bilateral als auch im Format Russland – EU. Wir arbeiten erfolgreich im UNO-Sicherheitsrat, in welchem Österreich gegenwärtig nichtständiges Mitglied ist, sowie auch im Rahmen von anderen internationalen Organisationen und Foren zusammen. Aufmerksam verfolgen wir gegenseitige Initiativen zur Stärkung des internationalen Friedens und der Sicherheit, zur Beilegung von Konflikten und zum Schutz der Menschenrechte.

Es gibt auch Meinungsverschiedenheiten, vor allem bei der Einschätzung der Situation um den Kosovo und des Kaukasuskonflikts. Während der Verhandlungen zu diesen Fragen bemühen wir uns um maximale Offenheit und wollen unsere Argumente den Partnern klar machen. Wir rufen dazu auf, sich auf Fakten und das internationale Völkerrecht, nicht aber auf die von außen aufgedrängten Schemen zu beziehen. Eine unserer Hauptaktivitäten im Jahr des 65. Jubiläums der Beendigung des Zweiten Weltkrieges wird darauf ausgerichtet sein, den in einigen europäischen Ländern zu beobachtenden Versuchen der Falsifizierung der Geschichte und der Glorifizierung von Nazis und ihren Helfern entgegenzutreten. Wir halten solche Erscheinungen, welche das Andenken an Millionen von Opfern des Faschismus beschmutzen, für absolut unzulässig.

Auch die Kontakte zur EU haben sich offensichtlich verbessert, denn heuer gab es keine schwerwiegenden Diskussionen betreffend der Energielieferungen (Gas) aus Russland über die Ukraine nach Europa. Was waren die ausschlaggebenden Beweggründe für die Sicherheit der Gaslieferungen?

Russland hat immer sein Interesse an einer größtmöglichen Entwicklung der Beziehungen zur Europäischen Union, an einer möglichst raschen Unterzeichnung eines Basisvertrags über die Zusammenarbeit gezeigt, sowie seine Bereitschaft zur offenen Besprechung problematischer Fragen bekundet.

Hinsichtlich der Kooperation im Energiebereich möchte ich noch einmal daran erinnern, dass Russland seine Erdgaslieferverpflichtungen niemals verletzt hat. Dies beweist auch die vierzigjährige Erfahrung unserer erfolgreichen Zusammenarbeit mit Österreich. Wir sind ebenso wie unsere europäischen Partner daran interessiert, dass das russische Gas ungehindert die europäischen Verbraucher erreicht und der Lieferprozess nicht von der politischen Konjunktur und der wirtschaftlichen Lage in den Transitländern abhängt. Deshalb glauben wir, dass die Bemühungen Russlands zur Diversifizierung der Energielieferwege nach Europa, darunter auch die Verwirklichung der Projekte „North Stream“ und „South Stream“, zur Festigung der Energiesicherheit des Kontinents beitragen.

Wie laufen die Vorbereitungen für Winterspiele in Sotschi? Dieses Ereignis wird Russland in der ganzen Welt präsentieren und für die darauffolgenden Jahre das dann entstandene Bild über Russland festigen. Welche Auswirkungen wird das auf die Arbeit der Diplomaten haben?

Die Vorbereitung zu den Olympischen Spielen in Sotschi läuft auf vollen Touren. Wir sind überzeugt, die Spiele würdig zu organisieren und durchführen zu können, und dass unsere Sportlerinnen und Sportler erfolgreich sein werden. Die Olympiade wird tatsächlich eine große Bedeutung für die Stärkung der internationalen Autorität Russlands haben. Jedoch erfolgt die entsprechende Arbeit für eine Verbesserung des Images unseres Landes, zur vollen und objektiven Informierung der ausländischen Öffentlichkeit über verschiedene Aspekte des innenpolitischen Lebens Russlands und über seine Positionen zu grundlegenden Weltproblemen nicht nur im Kontext von großen internationalen Veranstaltungen. Diese Arbeit ist ein unabdingbarer Bestandteil unserer täglichen Tätigkeit.

Glauben Sie an eine politische/diplomatische Lösung in den Konfliktherden dieser Welt? Afghanistan, Pakistan, Irak, Israel, Nordkorea; diese Länder bedürfen einer Lösung ihrer Konflikte. Wie kann hier die Arbeit der Diplomaten aussehen, damit es zu einer Verbesserung der Situation kommt?

In seinen außenpolitischen Aktivitäten bevorzugt Russland die Regelung von Konfliktsituationen durch politische und diplomatische Methoden. Vielleicht ist das nicht der schnellste, aber sicherlich der einzige richtige Weg, welcher eine feste Grundlage für die Lösung von strittigen Fragen, die folgende Normalisierung und friedliche Koexistenz der Konfliktteilnehmer schafft. Militärische Interventionen wie etwa in Jugoslawien und im Irak, einseitige überhastete Lösungen wie die Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo vertiefen die Probleme, ziehen die „politischen Knoten“ noch fester zu und schaffen Präzedenzfälle, deren negative Folgen sich man heute nur schwer vorstellen kann.

Der österreichische Bundespräsident wurde in China wie der Staatschef eines großen Landes behandelt. Wie sieht ein Diplomat wie Sie, die Beziehung zwischen großen und kleinen Ländern in der politisch diplomatischen Wertigkeit?

Das politische Gewicht eines Landes wird nicht durch die Größe seines Territoriums und seine Bevölkerungsanzahl bestimmt, sondern in erster Linie durch die Aktivitäten in der internationalen Arena, durch die Anstrengungen zur Wahrung des internationalen Frieden und der Sicherheit, zur Einhaltung der Menschenrechte. In diesem Sinne scheint uns die Erfahrung Österreichs höchst kennzeichnend zu sein, welches als kleiner neutraler Staat ein sehr wichtiges Zentrum der internationalen Organisationen, des internationalen Dialogs, der Vermittlungsbemühungen und der Erörterung verschiedener Initiativen im Bereich von Sicherheit, Abrüstung und Konfliktregelung wurde.

Zum Schluss möchte ich noch gratulieren zu den in den letzten Jahren veranstalteten „Soireen“ in der Russischen Botschaft. Diese Veranstaltungen haben sich als ganz besondere Leckerbissen in der österreichischen und diplomatischen Community herausgestellt und zeigten einmal mehr die Vielfältigkeit der Russischen Gesellschaft.

Die Tradition von musikalischen Abenden in der Russischen Botschaft in Österreich geht bis in das Ende des 18. Jahrhunderts zurück und wir bemühen uns, im Sinne der Nachfolgerschaft dieses Niveau zu halten.

Ich danke für das Gespräch und wünsche zum russischen „Diplomatentag“ am 10. Februar noch alles Gute. (aw)

 


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