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Ragweedpollen-Alarm für 2009

01.12.2008


Rasante Ausdehnung der Unkrautpflanze bringt Experten europaweit in Einsatzbereitschaft


Linz, 1. Dezember 2008 – Die aktuelle Auswertung des Pollenwarndienstes (AKH Wien) zeigt, dass sich das Unkraut Ragweed in Österreich weiter in Richtung Westen ausbreitet. Die besonders aggressiven Pollenallergene der aus Nordamerika eingeschleppten, widerstandsfähigen Pflanze machen auch vielen Österreichern zunehmend das Leben schwer. Für das nächste Jahr prognostizieren Experten aufgrund des milden Herbstwetters eine massive und lang andauernde Ragweedsaison. Immer mehr europäische Länder, darunter auch Österreich, schlagen Alarm und reagieren nun koordiniert auf das wachsende Gesundheitsproblem.

 

 

Die Auswertung der diesjährigen Daten der Pollensaison zeigt eine kontinuierliche und damit Besorgnis erregende Ausbreitung des Allergie-Auslösers Ragweed (Traubenkraut, Ambrosia) in Europa. Auch Österreich ist zunehmend betroffen. „Noch vor ein paar Jahren war die Pflanze fast ausschließlich im Osten Österreichs zu finden. Mittlerweile hält Ragweed aber nicht nur von Süd-Osten her – über Slowenien, Kroatien und Ungarn – Einzug in unser Land, sondern kommt zusätzlich auch von Südfrankreich über die Schweiz und Oberitalien nach Österreich“, beschreibt Ass.Prof. Dr. Siegfried Jäger, Leiter des Pollenwarndienstes an der Wiener Univ.-Klinik für HNO-Krankheiten, die Situation. Zwar sind Wien, Burgenland und Niederösterreich nach wie vor die Gebiete mit dem höchsten Ragweed-Vorkommen. Mittlerweile macht die Pflanze aber vor keinem österreichischen Bundesland halt. „In Oberösterreich, der Steiermark und im Kärntner Abschnitt der Südautobahn zwischen Villach und dem Karawankentunnel wurde heuer eine hohe bis mittlere Allergenbelastung gemessen“, so Biologe Jäger. Vor allem von den Hauptverkehrsrouten ausgehend ist eine rasante Ausdehnung des anpassungs- und widerstandsfähigen Unkrauts zu beobachten. Aber auch in Gebieten mit Feldwirtschaft und bei Großbaustellen sowie sporadisch an Plätzen wo Vögel im Winter gefüttert werden, tauchen die Pflanzen auf und verstärken den Pollenflug.

 

Milder Herbst bringt starke Pollensaison 2009

„Obwohl das Traubenkraut als einjährige Pflanze nicht überwintern kann, sichert es seinen Fortbestand durch eine immense Samenproduktion von bis zu 60.000 Samen pro Pflanze, die angeblich jahrzehntelang im Boden keimfähig bleiben“, erklärt Jäger. Ende Mai bis Anfang Juni beginnt die Pflanze zu keimen und blüht von Mitte August bis Oktober. Dabei setzt sie Milliarden von aggressiven Pollen frei. Aufgrund der langen, milden Perioden im Herbst konnten heuer besonders viele Samen reifen, weshalb Experte Jäger eine sehr heftige Pollensaison im nächsten Jahr erwartet. „Eine genaue Prognose für 2009 kann man aber erst etwa Ende April machen, da die Blütezeit und -intensität von den Witterungsbedingungen und der Regenmenge abhängig ist.“ Der Klimawandel bewirkt weiters eine Verlängerung der Pollensaison, da Wärme die Pflanzen früher keimen und länger blühen lässt.

 

Europas Legislative reagiert auf „unerwünschte Pflanze“

Um die massive Ausdehnung und dadurch drohende Belastung des Gesundheitssystems nachhaltig zu bekämpfen, ist für Jäger ein umfassendes und europaweites Konzept zur Zusammenarbeit notwendig: „Das Traubenkraut stellt aufgrund seiner hohen allergischen Potenz ein zunehmend großes Gesundheitsproblem dar. Um dem weiteren Anstieg an allergischen Erkrankungen entgegenzuwirken, muss die Verbreitung der Pflanze eingedämmt werden. Dazu braucht es legislative Richtlinien.“ Der Experte begrüßt Initiativen wie z.B. die Schweizer Pflanzenschutzverordnung, in der Ragweed als „unerwünschte Pflanze“ ausgewiesen ist und Maßnahmen zur Bekämpfung gesetzlich geregelt sind. Auch in anderen Ländern gibt es bereits entsprechende Aktionsprogramme und eine europaweite Koordination und Abstimmung der Bekämpfungs-, Entsorgungs- und Meldeaktivitäten. Die Aufklärung der Bevölkerung ist in Vorbereitung und mehrere geplante EU-Projekte sowie zahlreiche regionale Konferenzen befassen sich mit dem Thema. Erst kürzlich wurde eine internationale Fachtagung in Budapest abgehalten und Mitte November eine ebensolche in Frankreich. Auch die AGES (Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit) plädiert für eine verpflichtende Bekämpfung der Ambrosia, da die gesundheitliche Belastung Jahr für Jahr steigt.

 

Hohe allergische Potenz, hohes Asthmarisiko

Die Blütenpollen des Traubenkrauts sind äußerst aggressive Allergene und verlängern die Pollensaison bis in den Oktober hinein. Mittlerweile reagiert bereits mehr als ein Drittel aller Allergiker (auch) auf Ragweed mit starken Heuschnupfensymptomen wie Fließschnupfen, roten, juckenden Augen, Niesreiz etc. Die Pflanze kann aber bei Kontakt auch Hautreaktionen sowie Asthma auslösen. Vor allem für Menschen mit einer bestehenden Pollenallergie besteht ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.“

 

Allergiebehandlung frühzeitig starten

Anhaltende Erkältungssymptome von August bis Oktober können ein Indiz für eine Allergie gegen Ragweed-Pollen sein. Betroffene sollten dann einen allergologisch versierten Arzt aufsuchen, um die Beschwerden abklären zu lassen. „Wichtig ist, sich der Allergenbelastung so wenig wie möglich auszusetzen“, informiert Jäger. „Zusätzlich können zahlreiche gute Wirkstoffe, wie Antihistaminika und lokal angewandtes Kortison, allergische Symptome abschwächen.“ Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt zusätzlich die spezifische Immuntherapie (Allergie-Impfung), die einen besonderen Stellenwert in der Allergietherapie einnimmt. Jäger weiter: „Als einzige Behandlung setzt sie am Immunsystem an und greift unmittelbar in den Krankheitsprozess ein. Weil damit die Ursache und nicht allein die Symptome bekämpft werden, können die Beschwerden einer Pollenallergie langfristig, mitunter sogar dauerhaft gelindert werden. Eine chronische Erkrankung der Atemwege kann damit oft verhindert werden.“

 

Dabei werden geringe Dosen des Allergie-Auslösers in langsam steigenden Mengen unter die Haut gespritzt, wodurch sich der Körper langsam an das Allergen gewöhnt und bei Kontakt nicht mehr überreagiert. Die Therapie dauert in der Regel drei Jahre und weist eine sehr hohe Erfolgsquote auf. Die Wirkung hält oft viele Jahre an und wird ausdrücklich auch für Kinder empfohlen. Die Therapiekosten der spezifischen Immuntherapie werden von den Krankenkassen übernommen.

Derzeit wird von verschiedenen Pharmaherstellern auch an einer Ragweed-Immuntherapie neben Tropfen- auch in Tablettenform geforscht. Ein fertiges Arzneimittel wird aber erst in einigen Jahren zur Verfügung stehen.

 

 

Tipps für die Allergenvermeidung:

  • Kein billiges Vogelfutter kaufen (Ragweed-Samen sind häufig in schlecht gereinigtem Vogelfutter zu finden)
  • Pflanze – am besten schon vor der Blüte – mitsamt der Wurzel ausreißen (Achtung, Handschuhe tragen) und in einem Plastiksack im Restmüll entsorgen
  • Mit Hilfe des Pollenwarndienstes lassen sich Freizeitaktivitäten im Freien, Ausflüge und Urlaube vorausschauend planen: unter www.pollenwarndienst.at können Allergiker die aktuellen Pollenflugprognosen für Österreich und Europa abrufen und auch anhand von Pollen-Verbreitungskarten Ausweichmöglichkeiten abrufen.

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Ausbreitung Ragweed. Foto Copyright Siegfried Jäger
 

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