„Mythos 1776 – Traum und Erwachen der amerikanischen Nation“ vom Hiram Kümper, erschienen im Propyläen Verlag, ISBN: 978-3-549-11010-2

Wie beeinflussen die Gründungsmythen der USA unsere politische Gegenwart? Für das innen- und außenpolitische Handeln der USA im 21. Jahrhundert spielt der Rückbezug auf die Unabhängigkeitserklärung von 1776 und der Mythos vom amerikanischen »Freiheitsstreben« eine zentrale Rolle. Dies gilt einmal mehr seit dem erneuten Amtsantritt von Donald Trump, der das Land seitdem grundlegend verändert. Aber ging es den Gründervätern wirklich nur um Freiheit, Liberalität und Menschenrechte? Und welche Folgen zeitigt dieser Mythos in einer Gegenwart politischer Extreme und gesellschaftlicher Spaltung?

Der Historiker Hiram Kümper analysiert die Gründungsgeschichte und das Politikverständnis der USA, die ihren »way of life« spätestens seit dem 19. Jahrhundert in die Welt exportierten. Dem Heldenepos vom »Freiheitsstreben« einer Gruppe weißer Männer setzt er eine vielgestaltige Erzählung vom Kampf um politische Partizipation, um die Beteiligung an Macht und »Fleischtöpfen« entgegen. So kommen auch jene in den Blick, die die Kosten dieses Selbstbewusstseins trugen: Millionen versklavte Schwarze, Indigene und Menschen, die Amerika groß machten, während ihre eigenen Spielräume klein blieben.

KOMMENTAR DES CHEFREDAKTEURS. Die Vision der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten hat sich im Laufe der letzten 250 Jahre verwirklicht und aus den anfänglichen Befreiungsschlägen einer jungen Nation von 1776 ist eine Weltmacht entstanden. Die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika von 1787 lässt einen großen Spielraum für die Eliten des Landes zu. Daher interpretiert der derzeitige amerikanische Präsident auch vieles nach seinem Gusto, ohne die Verfassung zu verletzten. Und schlussendlich sind viele der von Anbeginn vorhandenen Probleme des Landes, wie zB die Gleichstellung von Minderheiten und Migranten, nicht gelöst. Der Historiker Hiram Kümper analysiert und beschreibt schonungslos die Stärken und Schwächen der 250jährigen Geschichte auf wissenschaftlich fundierten Grundlagen und spannend für den Leser.