„Der Jude der Kaiserin“ von Vladimir Vertlib, erschienen im Residenz Verlag. ISBN 978-3-7017-1821-4

Bilderreich, fesselnd und beklemmend erzählt Vladimir Vertlib von Liebe und Hass, Glaube und Verrat und der Lust, trotz allem am Leben zu sein.

Wien um 1670: Barocke Herrlichkeit und bittere Armut prägen die Stadt. Kaiser Leopold I. leidet nicht nur unter Geldmangel für seine Feldzüge, er braucht auch dringend einen Thronfolger. Nur Leibarzt Pedro de Rojas kann der verzweifelten Kaiserin Margarita Teresa helfen. Der jedoch hat ein gefährliches Geheimnis: Er ist ein spanischer Converso, ein konvertierter Jude, der seinen Glauben im Geheimen praktiziert. Die katholische Kaiserin will die Juden aus der Stadt vertreiben, sie hält sie für die Ursache allen Übels. Wird es Don Pedro und seiner Geliebten, der Hebamme Esther, gelingen, das zu verhindern? Vladimir Vertlib verbindet Komödie und Drama zu einem großen Roman über Glaubenskämpfe und Standesdünkel, Hetze, Intrigen und Verrat, aber auch Liebe, Treue und tiefe Freundschaft.

Vladimir Vertlib, geboren 1966 in Leningrad. 1971 emigrierte die Familie nach Israel, dann nach Italien, Holland und die USA, bevor sie sich 1981 in Österreich niederließ. Er lebt seit 1993 als Schriftsteller in Salzburg und Wien. Sein Werk umfasst Romane, Erzählungen, Essays sowie zahlreiche Artikel. 2024 wurde Vertlib mit dem Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und Exil ausgezeichnet, 2025 mit dem Buchpreis der Salzburger Wirtschaft. Er schrieb u. a. den Roman „Lucia Binar und die russische Seele“, der 2015 auf der Longlist zum Deutschen Buchpreis stand, im Residenz Verlag erschienen „Zebra im Krieg“ (2022), „Heimreise“ (2024) und "Der Jude der Kaiserin" (2025).

KOMMENTAR DES CHEFREDAKTEURS: Auf gut 410 Seiten wird auf äußerst spannende Weise die Geschichte des fiktiven Leibarztes Pedro de Rojas erzählt. Aus der Sicht eines konvertierten Juden, der durch seine Beziehungen zum Kaiser Leopold I. und speziell zur Kaiserin Margarite Teresa eine besondere Stellung innehat, sodass er trotz der antijüdischen Kampagnen der katholischen Kaiserin ein halbwegs erträgliches Auskommen hat. In diesem Buch kommt im Besonderen der Klerus, die katholische Kirche nicht sehr gut weg. Das Zölibat hatte offensichtlich schon damals im 17. Jahrhundert verheerende Auswirkungen auf die sexuelle Gesundheit der Priester. Schlussendlich nach dem Tod der Kaiserin verlässt auch der treue Leibarzt Petro de Rojas die Kaiserstadt Wien in Richtung Saloniki, um dort unter osmanischer Herrschaft sein Leben als Jude endlich offen leben zu können. –  Eine wunderbare Erzählung mit viel Gefühl für Details.